Du stehst am Abgrund – aber du merkst es nicht
Stell dir vor, du sitzt in deinem Büro, starrst auf den Bildschirm und merkst plötzlich: Du kannst nicht mehr. Nicht mehr denken, nicht mehr entscheiden, nicht mehr funktionieren. Dein Körper schreit seit Monaten STOPP, aber du hast die Warnsignale ignoriert. Tinnitus? Nur Stress. Schlafstörungen? Normal bei Führungskräften. Emotionale Taubheit? Professionelle Distanz. Du hast dir eingeredet, stark zu sein. Dabei warst du nur taub. Die meisten Führungskräfte merken es erst, wenn sie zusammenbrechen. Du hast heute die Chance, anders zu entscheiden. Dieser Artikel zeigt dir drei konkrete Schritte, wie du diese Woche den Weg aus der Hölle beginnst. Keine Theorie. Keine leeren Versprechungen. Nur ehrliche, erprobte Wege von jemandem, der selbst durch die Flammen gegangen ist.
Einleitung
Burnout bei Führungskräften ist keine Schwäche – es ist eine Epidemie. Der LHH Leadership Burnout Report 2024 dokumentiert: 56 Prozent aller Führungskräfte weltweit sind ausgebrannt, ein dramatischer Anstieg von 52 Prozent im Vorjahr. In Deutschland ist die Lage noch bedrohlicher – laut einer aktuellen Spiegel-Studie von 2024 geben 61,6 Prozent der befragten 1.000 Führungskräfte an, erschöpft zu sein. Bei Frauen in Führungspositionen liegt die Quote bei 65 Prozent, bei der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen sogar bei erschreckenden 72 Prozent. Die Relevanz dieses Themas könnte nicht aktueller sein. Wir befinden uns inmitten einer stillen Krise, die Karrieren zerstört, Familien belastet und Leben gefährdet. Dieser Artikel richtet sich an dich – die Führungskraft, die nachts wach liegt und sich fragt, ob das wirklich alles sein soll. An den Unternehmer, der spürt, dass der Preis des Erfolgs zu hoch geworden ist. An den Manager, der funktioniert, aber nicht mehr lebt. Meine Zielsetzung ist klar: Dir drei machbare, wissenschaftlich fundierte Schritte zu zeigen, die du diese Woche gehen kannst, um den Weg aus dem Burnout zu beginnen. Nicht irgendwann. Heute.
Hintergrund
Was Burnout bei Führungskräften wirklich bedeutet
Burnout ist keine Modeerscheinung und kein Zeichen persönlicher Schwäche. Die Weltgesundheitsorganisation WHO definiert es seit 2019 offiziell als arbeitsbedingte Erschöpfung, die aus chronischem Stress am Arbeitsplatz resultiert. Drei Dimensionen charakterisieren das Syndrom: Emotionale Erschöpfung, das Gefühl der Entfremdung von der Arbeit und reduzierte berufliche Leistungsfähigkeit. Für Führungskräfte kommt eine zusätzliche Dimension hinzu – die Verantwortung für andere Menschen, Teams und existenzielle Unternehmensentscheidungen. Diese Mehrfachbelastung macht Führungskräfte besonders vulnerabel.
Forschung aus dem Jahr 2024 belegt, dass die Hauptursachen für Burnout bei Führungskräften struktureller Natur sind. In einer US-amerikanischen Studie gaben 51 Prozent der ausgebrannten Arbeitnehmer eine übermäßige Arbeitslast als Hauptursache an. 42 Prozent nannten Personalmangel, der sie zwingt, mehrere Rollen gleichzeitig auszufüllen. 41 Prozent kämpfen mit der unmöglichen Balance zwischen Berufs- und Privatleben. Die Studienlage zeigt: Es ist nicht deine individuelle Unfähigkeit – es ist ein systemisches Problem.
Die unsichtbare Spirale der Erschöpfung
Burnout entwickelt sich schleichend über Monate, oft Jahre. Die ersten Warnsignale werden rationalisiert, als temporärer Stress abgetan oder durch noch mehr Leistung kompensiert. Genau hier liegt die tödliche Falle. Der Körper sendet Signale – chronischer Stress manifestiert sich in Schlafstörungen, Konzentrationsproblemen, Muskelverspannungen und einem geschwächten Immunsystem. Die Psyche reagiert mit emotionaler Instabilität, Zynismus gegenüber der Arbeit und einem schleichenden Verlust der Lebensfreude. Studien zur mentalen Gesundheit zeigen, dass unbehandelter chronischer Stress das Risiko für Depressionen, Angststörungen und kardiovaskuläre Erkrankungen signifikant erhöht.
Die neurowissenschaftliche Forschung offenbart: Dauerstress verändert die Gehirnstruktur. Der präfrontale Kortex, zuständig für Entscheidungsfindung und Emotionsregulation, wird geschwächt. Gleichzeitig wird die Amygdala, unser Angstzentrum, hyperaktiv. Das Ergebnis: Du fühlst dich permanent bedroht, kannst aber immer schlechter rational reagieren. Dieser neurobiologische Teufelskreis erklärt, warum Betroffene oft nicht mehr allein aus der Spirale herauskommen.
Warum ein Burnout Coach der Wendepunkt sein kann
Ein Burnout Coach ist kein Therapeut, sondern ein Wegbegleiter durch die Krise. Während Psychotherapie tieferliegende psychische Störungen behandelt, fokussiert sich Coaching auf konkrete Verhaltensänderungen, Ressourcenaktivierung und die Entwicklung neuer Bewältigungsstrategien. Wissenschaftliche Untersuchungen aus 2024 bestätigen die Wirksamkeit von Coaching-Interventionen bei Burnout-Prävention und Regeneration. Insbesondere die Kombination aus kognitiver Verhaltenstherapie, Achtsamkeitstraining und werteorientierter Arbeit zeigt nachweisbare Erfolge.
Ein professioneller Coach hilft dir, die blinden Flecken zu erkennen – jene selbstzerstörerischen Muster, die du allein nicht siehst. Er schafft einen geschützten Raum, in dem du nicht funktionieren musst, sondern sein darfst. Er konfrontiert dich mit unbequemen Wahrheiten und unterstützt dich gleichzeitig dabei, machbare erste Schritte zu gehen. Das Besondere: Ein Coach mit eigener Burnout-Erfahrung versteht die Hölle, in der du dich befindest, nicht theoretisch, sondern existenziell. Diese authentische Begegnung auf Augenhöhe macht den Unterschied zwischen bloßer Wissensvermittlung und echter Transformation.
Wenn du das große Ganze brauchst – von Früherkennung bis Resilienz-Aufbau – dann lies den vollständigen Burnout-Guide für Führungskräfte.
Haupterkenntnisse
Erkenntnis 1: Der Körper lügt nie – Höre auf die Warnsignale
Dein Körper ist ein hochsensibles Frühwarnsystem, das dir Monate vor dem Zusammenbruch signalisiert, dass etwas nicht stimmt. Ignorierst du diese körperlichen Warnsignale, zahlst du einen hohen Preis. Wissenschaftliche Studien belegen, dass chronischer Stress zu messbaren körperlichen Veränderungen führt: erhöhte Cortisolspiegel, geschwächtes Immunsystem, Bluthochdruck und Entzündungsreaktionen im Körper. Die häufigsten Frühwarnsignale sind Schlafstörungen, die nicht mehr durch Müdigkeit, sondern durch innere Unruhe verursacht werden. Betroffene berichten von einem Gedankenkarussell, das sie nachts nicht schlafen lässt. Hinzu kommen Muskelverspannungen, besonders im Nacken- und Schulterbereich, die durch permanente körperliche Anspannung entstehen. Magen-Darm-Probleme ohne organische Ursache, häufige Infekte und ein diffuses Gefühl permanenter Erschöpfung sind weitere Alarmzeichen.
Ich erinnere mich an meinen eigenen Burnout im Jahr 2001. Der Tinnitus hatte mir bereits mit 29 Jahren zugeflüstert, dass etwas nicht stimmte. Doch ich interpretierte ihn als temporäres Phänomen, als technisches Problem meines Körpers, das ich durch noch mehr Leistung kompensieren konnte. Jahrelang ignorierte ich die Signale, bis mein Körper mit 42 Jahren die Notbremse zog. An jenem Dezembermorgen in meinem Büro konnte ich plötzlich nicht mehr – meine Hände zitterten, mein Herz raste, die Luft wurde dünn. Es war kein dramatischer Zusammenbruch mit Krankenwagen, sondern eine stille Implosion. Mein Körper hatte aufgehört zu kooperieren, weil ich jahrelang nicht zugehört hatte.
Erkenntnis 2: Emotionale Erschöpfung tarnt sich als Professionalität
Die gefährlichste Form des Burnouts ist jene, die sich als Stärke tarnt. Viele Führungskräfte interpretieren emotionale Taubheit als professionelle Distanz, Zynismus als Realismus und innere Leere als reife Gelassenheit. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass emotionale Erschöpfung die Kernkomponente des Burnout-Syndroms ist. Sie äußert sich in der Unfähigkeit, positive Emotionen zu empfinden – Freude über Erfolge fühlt sich hohl an, Lob perlt ab, private Beziehungen verlieren ihre Bedeutung. Gleichzeitig steigt die emotionale Instabilität: Kleine Ärgernisse lösen unverhältnismäßige Wutausbrüche aus, Kritik trifft dich tiefer als früher, und du fühlst dich permanent verletzlich.
Das Perfide: Unsere Leistungsgesellschaft belohnt diese emotionale Abschottung. Wer keine Schwäche zeigt, gilt als stark. Wer durchhält, wird bewundert. Wer funktioniert, wird befördert. Diese kulturelle Konditionierung macht es Führungskräften besonders schwer, emotionale Erschöpfung als Warnsignal ernst zu nehmen. Stattdessen verdoppeln sie ihre Anstrengungen, bauen weitere Schutzmauern auf und entfernen sich immer weiter von ihrem authentischen Selbst. Die Forschung bestätigt: Diese Strategie verschlimmert die Situation langfristig. Nur durch emotionale Selbstwahrnehmung und authentische Verletzlichkeit kann Regeneration beginnen.
Erkenntnis 3: Leistung ist keine Währung für Liebe
Viele hochleistungsorientierte Menschen operieren unbewusst nach einer toxischen Gleichung: Leistung gleich Liebe, Erfolg gleich Wert, Funktionieren gleich Existenzberechtigung. Diese tief verankerte Überzeugung entsteht oft in der Kindheit, wird durch Karriereerfolge scheinbar bestätigt und führt in eine selbstzerstörerische Spirale. Psychologische Studien zeigen, dass Menschen mit dieser Konditionierung nie genug leisten können, um sich wirklich wertvoll zu fühlen. Jeder Erfolg ist nur temporär, jede Anerkennung nie ausreichend, jede Pause fühlt sich an wie Verrat an sich selbst.
Ich selbst lebte sechs Jahrzehnte nach dieser Gleichung. Als kleiner Junge im Geschäftshaus lernte ich: Wenn ich helfe, werde ich gesehen. Wenn ich Verantwortung übernehme, bin ich wichtig. Diese frühe Prägung trieb mich zu außergewöhnlichen beruflichen Erfolgen – und gleichzeitig in einen schweren Burnout. Erst als mir das Leben zwischen meinem 49. und 66. Lebensjahr systematisch alles wegnahm – meine Eltern, mein Unternehmen, mein Haus, meine finanzielle Sicherheit – zerbrach diese Gleichung endgültig. In der tiefsten Ohnmacht entdeckte ich: Mein Wert liegt nicht in dem, was ich tue, sondern in dem, was ich bin. Diese Erkenntnis war schmerzhaft, befreiend und lebensrettend zugleich.
Erkenntnis 4: Kontrolle ist eine Illusion – Loslassen ist Befreiung
Die Angst vor Kontrollverlust ist einer der mächtigsten Burnout-Treiber bei Führungskräften. Du glaubst, durch perfekte Planung, lückenlose Vorbereitung und permanente Verfügbarkeit alles im Griff zu haben. Diese Illusion der Kontrolle gibt dir kurzfristig ein Gefühl von Sicherheit, kostet dich aber langfristig deine Gesundheit. Forschung zu Resilienz und Stressbewältigung zeigt: Menschen mit hohem Kontrollbedürfnis erleben Unvorhersehbares als besonders bedrohlich und reagieren mit erhöhter Stressanfälligkeit. Die Unfähigkeit loszulassen führt zu chronischer Anspannung, auch wenn keine akute Bedrohung vorliegt.
Das Paradoxe: Echte Sicherheit entsteht nicht durch Kontrolle, sondern durch Vertrauen. Nicht durch das Festhalten, sondern durch das Loslassen. Diese Weisheit klingt esoterisch, ist aber neurobiologisch fundiert. Studien zur Selbstwirksamkeit belegen, dass Menschen, die Unsicherheit akzeptieren können, stressresistenter sind und schneller regenerieren. Der Schlüssel liegt im Unterschied zwischen Kontrolle und Einfluss: Du kannst nicht alles kontrollieren, aber du kannst lernen, konstruktiv mit Unkontrollierbarem umzugehen. Diese Haltung des bewussten Loslassens aktiviert das parasympathische Nervensystem, senkt Cortisol und ermöglicht echte Erholung.
Erkenntnis 5: Wahre Stärke liegt in der Verletzlichkeit
Unsere Kultur hat uns eine gefährliche Lüge verkauft: Stärke bedeutet, keine Schwäche zu zeigen. Durchhalten ist Tugend, Aufgeben ist Versagen. Diese toxische Definition von Stärke treibt unzählige Führungskräfte in den Burnout. Wissenschaftliche Forschung zu authentischer Führung zeigt das Gegenteil: Verletzlichkeit ist keine Schwäche, sondern die höchste Form der Stärke. Leaders, die ihre Grenzen kommunizieren, Fehler eingestehen und um Hilfe bitten können, werden als authentischer, vertrauenswürdiger und inspirierender wahrgenommen. Studien belegen, dass vulnerable Führung die Teamleistung steigert, psychologische Sicherheit schafft und die mentale Gesundheit aller Beteiligten verbessert.
Wahre Stärke bedeutet, die Maske abzulegen und zuzugeben: Ich bin am Ende meiner Kräfte. Ich brauche Hilfe. Ich kann nicht mehr so weitermachen. Diese Ehrlichkeit gegenüber dir selbst ist der erste Schritt aus der Hölle. Sie erfordert mehr Mut als jede Hochglanzpräsentation vor dem Vorstand. Sie ist radikaler als jede Geschäftsentscheidung. Sie ist der Moment, in dem du aufhörst zu funktionieren und beginnst, zu leben. Die Forschung zu Selbstmitgefühl zeigt: Menschen, die sich selbst mit derselben Freundlichkeit begegnen, die sie anderen zeigen, erholen sich schneller von Krisen und entwickeln nachhaltigere Resilienz.
Praktische Anwendungen
Schritt 1: Setze diese Woche eine nicht verhandelbare Grenze
Der erste konkrete Schritt aus dem Burnout ist radikal einfach und gleichzeitig erschreckend schwer: Setze eine Grenze. Eine einzige, klare, nicht verhandelbare Grenze, die du diese Woche einhältst. Keine E-Mails nach 19 Uhr. Kein Meeting vor 9 Uhr. Ein ganzer Tag am Wochenende ohne berufliche Kommunikation. Wähle eine Grenze, die sich für dich gefährlich anfühlt, aber machbar ist. Das Unbehagen, das du spürst, ist kein Zeichen, dass du etwas Falsches tust – es ist das Zeichen, dass du etwas Richtiges beginnst.
Konkret bedeutet das: Informiere dein Team und relevante Stakeholder im Voraus über diese Grenze. Schalte Benachrichtigungen aus. Richte eine automatische E-Mail-Antwort ein. Bereite dich mental auf die Angst vor, die kommen wird. Dein Verstand wird dir einflüstern: Ohne dich bricht alles zusammen. Das ist eine Lüge. Die Welt dreht sich weiter. Und du beginnst, dich selbst zurückzugewinnen. Wissenschaftliche Studien zu Work-Life-Balance zeigen, dass bereits kleine, konsequent eingehaltene Grenzen die Regenerationsfähigkeit signifikant verbessern. Der Schlüssel liegt in der Konsistenz, nicht in der Größe der Grenze.
Schritt 2: Führe ein tägliches 3-Minuten-Körper-Check-In durch
Dein Körper ist dein bester Burnout Coach, wenn du lernst, ihm zuzuhören. Etabliere diese Woche eine tägliche 3-Minuten-Praxis: Setze dich morgens nach dem Aufwachen oder abends vor dem Schlafengehen hin, schließe die Augen und scanne deinen Körper systematisch von Kopf bis Fuß. Wo spürst du Anspannung? Wo fühlt sich etwas schwer oder eng an? Wo ist Leichtigkeit? Bewerte nichts, verändere nichts – beobachte nur. Diese simple Achtsamkeitsübung trainiert deine Selbstwahrnehmung und unterbricht den Autopilot-Modus, in dem die meisten Führungskräfte operieren.
Die neurowissenschaftliche Forschung zu Achtsamkeit zeigt, dass bereits kurze tägliche Body-Scan-Übungen die Stressreaktivität senken und die emotionale Regulation verbessern. Nach zwei Wochen konsequenter Praxis wirst du subtile Veränderungen in deinem Stresslevel früher erkennen und rechtzeitig gegensteuern können. Der Trick: Mache es so einfach, dass du nicht scheitern kannst. Drei Minuten. Jeden Tag. Ohne Ausnahme. Nutze einen Timer. Schreibe danach optional zwei Sätze in ein Notizbuch: „Heute spüre ich…“ Diese Dokumentation macht Muster sichtbar, die dir sonst entgehen würden.
Schritt 3: Hole dir diese Woche professionelle Unterstützung
Der dritte und wichtigste Schritt ist der schwerste für die meisten Führungskräfte: Bitte um Hilfe. Vereinbare diese Woche einen Termin mit einem Burnout Coach, einem Therapeuten oder einer vertrauenswürdigen Führungskraft, die selbst durch eine Krise gegangen ist. Nicht irgendwann. Diese Woche. Der innere Widerstand gegen diesen Schritt ist enorm. Er konfrontiert dich mit der Illusion, alles allein schaffen zu müssen. Aber die Forschung ist eindeutig: Professionelle Unterstützung ist der stärkste Prädiktor für erfolgreiche Burnout-Bewältigung. Menschen, die sich frühzeitig Hilfe holen, erholen sich schneller, nachhaltiger und entwickeln größere Resilienz für zukünftige Krisen.
Ein Burnout Coach bietet dir strukturierte Unterstützung, konfrontiert dich mit blinden Flecken und hält dich accountable für notwendige Veränderungen. Wichtig: Wähle jemanden, dem du vertrauen kannst und der authentische Erfahrung mitbringt. Ein Coach, der selbst durch die Hölle gegangen ist, versteht deine Dunkelheit nicht theoretisch, sondern existenziell. Diese Begegnung auf Augenhöhe macht den Unterschied zwischen oberflächlicher Beratung und echter Transformation. Der erste Schritt: Recherchiere noch heute drei potenzielle Coaches, lies ihre Geschichten, spüre, wer dich berührt. Dann buche ein Erstgespräch. Heute noch.
Kritische Betrachtung
So wirksam die genannten Schritte sind, sie sind kein Allheilmittel. Burnout ist ein komplexes Phänomen, das nicht nur individuelle, sondern auch systemische Ursachen hat. Die Fokussierung auf persönliche Verhaltensänderungen birgt die Gefahr, strukturelle Probleme zu individualisieren. Übermäßige Arbeitslasten, toxische Führungskulturen, fehlende Personalressourcen und unrealistische Erwartungen sind organisationale Faktoren, die sich nicht durch persönliches Coaching lösen lassen. Kritische Burnout-Forschung warnt davor, die Verantwortung für systemisches Versagen auf die Schultern der Betroffenen zu legen. Ein Burnout Coach kann dir helfen, deine Grenzen zu erkennen und zu setzen – aber wenn dein Arbeitgeber diese Grenzen systematisch missachtet, bist du in einem toxischen System gefangen.
Zudem ist wichtig zu betonen: Bei klinisch manifestiertem Burnout mit Symptomen einer Depression, Angststörung oder körperlichen Erkrankung ist Coaching kein Ersatz für medizinische und psychotherapeutische Behandlung. Ein seriöser Coach erkennt die Grenzen seines Handlungsrahmens und vermittelt bei Bedarf an entsprechende Fachkräfte. Die drei vorgeschlagenen Schritte sind wirksam für Prävention und frühe Intervention, nicht für akute klinische Zustände. Die Gefahr besteht darin, dass Betroffene professionelle Hilfe hinauszögern, weil sie glauben, sich selbst oder mit einem Coach helfen zu können. Gerade Führungskräfte neigen dazu, die Schwere ihrer Situation zu unterschätzen und zu lange in dysfunktionalen Mustern zu verharren.
Fazit
Burnout bei Führungskräften ist keine individuelle Schwäche, sondern eine systemische Krise, die dringendes Handeln erfordert. Die aktuellen Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 56 Prozent der Führungskräfte weltweit sind ausgebrannt, die Tendenz ist steigend. Diese Epidemie der Erschöpfung gefährdet nicht nur die Gesundheit der Betroffenen, sondern auch die Stabilität von Organisationen und die mentale Gesundheit ganzer Teams. Die fünf Haupterkenntnisse dieses Artikels zeigen: Der Körper lügt nie und sendet frühzeitig Warnsignale. Emotionale Erschöpfung tarnt sich oft als Professionalität. Die toxische Gleichung Leistung gleich Liebe treibt in die Selbstzerstörung. Kontrolle ist eine Illusion, Loslassen ist Befreiung. Wahre Stärke liegt in der Verletzlichkeit, nicht im Durchhalten.
Die drei praktischen Schritte – eine nicht verhandelbare Grenze setzen, ein tägliches Körper-Check-In etablieren und professionelle Unterstützung suchen – sind keine Wunderlösung, aber ein machbarer Anfang. Sie repräsentieren die Entscheidung, nicht länger Opfer der Umstände zu sein, sondern aktiv Verantwortung für die eigene mentale Gesundheit zu übernehmen. Die kritische Betrachtung macht deutlich: Individuelle Verhaltensänderungen müssen durch strukturelle Veränderungen in Organisationen ergänzt werden. Burnout-Prävention ist nicht nur Aufgabe des Einzelnen, sondern auch der Führungskultur, der Personalpolitik und der gesellschaftlichen Wertesysteme. Nur durch diese doppelte Perspektive – persönlich und systemisch – kann nachhaltige Veränderung entstehen.
Der Weg beginnt jetzt – oder nie
Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn du diesen Artikel liest und denkst: Interessant, aber ich habe keine Zeit dafür. Später vielleicht. Wenn das Projekt abgeschlossen ist. Wenn die Krise vorbei ist. Wenn, wenn, wenn. Diese Gedanken hatte ich auch – bis mein Körper mit 42 Jahren die Entscheidung für mich traf. An jenem Dezembermorgen 2001 konnte ich nicht mehr, und das Leben zwang mich, endlich zuzuhören. Du hast heute die Chance, es anders zu machen. Du kannst warten, bis dein Körper zusammenbricht, deine Beziehungen zerbrechen und dein Leben implodiert. Oder du kannst jetzt, in diesem Moment, eine andere Entscheidung treffen.
Die drei Schritte, die ich dir vorgeschlagen habe, sind keine heroische Transformation. Sie sind klein, machbar, unspektakulär. Aber sie sind der Unterschied zwischen weiterem Abdriften in die Dunkelheit und dem ersten Schritt zurück ins Licht. Welche Grenze wirst du diese Woche setzen? Wann führst du dein erstes 3-Minuten-Körper-Check-In durch? Bei welchem Coach buchst du heute noch ein Erstgespräch? Diese Fragen sind nicht rhetorisch. Sie fordern eine Antwort. Deine Antwort. Heute. Jetzt.
Ich habe einen schweren Burnout erlebt, drei Phoenix-Transformationen durchlaufen und dreimal alles verloren, um endlich zu verstehen: Für mich ist immer gesorgt. Dieses Urvertrauen hat mich durch die Hölle getragen und auf der anderen Seite zu einem Menschen gemacht, der anderen den Weg zeigen kann. Du musst nicht erst alles verlieren, um zu lernen loszulassen. Du musst nicht erst zusammenbrechen, um zu verstehen, dass Schwäche Stärke ist. Du kannst heute beginnen. Der erste Schritt raus aus der Hölle beginnt genau jetzt – mit der Entscheidung, dass du es wert bist, gerettet zu werden. Nicht irgendwann. Heute. Bist du bereit?
Quellenverzeichnis
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- High5Test (2024). 50+ Leadership Burnout Statistics in the US for 2024-2025. Verfügbar unter: https://high5test.com/leadership-burnout-statistics/
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