Erosion der Selbstwahrnehmung

Was ist Erosion der Selbstwahrnehmung

Erosion der Selbstwahrnehmung bezeichnet den schleichenden Verlust der Fähigkeit, die eigenen inneren Zustände – Gefühle, Bedürfnisse, Grenzen und Impulse – wahrzunehmen und zu benennen. Wie eine Küste, die das Wasser Stück für Stück trägt, geht diese Wahrnehmungsfähigkeit nicht plötzlich, sondern über Monate und Jahre. Erosion der Selbstwahrnehmung ist ein zentrales Merkmal chronischer Überlastung und eine der gefährlichsten Vorstufen des Burnout.

Was bedeutet Erosion der Selbstwahrnehmung für Führungskräfte?

Führungskräfte trainieren über Jahre, nach außen zu funktionieren – auf Anforderungen zu reagieren, Entscheidungen zu treffen, Emotionen zu regulieren. Was dabei oft verloren geht: der innere Radar. Irgendwann wissen sie nicht mehr, ob sie gerade wütend, traurig, überfordert oder einfach müde sind. Die innere Signalgebung wird dauerhaft übertönt. Was bleibt, ist ein vages Unbehagen ohne Namen. Wie die Warnsignale der Erschöpfung zeigen, ist genau dieses Unbehagen oft das erste greifbare Zeichen.

Merkmale erodierter Selbstwahrnehmung

  • Emotionale Unkenntnis – Du kannst nicht benennen, was du fühlst – nicht weil du es verbirgst, sondern weil du es nicht mehr spürst
  • Grenzenlosigkeit ohne Entscheidung – Du sagst nicht Nein, weil du nicht merkst, dass du eine Grenze hast
  • Verzögertes Feedback – Du merkst erst Tage später, dass eine Situation dich belastet hat – nicht im Moment selbst
  • Körpersignale als einziger Kanal – Der Körper spricht noch (Verspannungen, Herzrasen, Schlafstörungen), aber der kognitive Zugang fehlt

Erosion der Selbstwahrnehmung in der Praxis

Eine Führungskraft kommt nach einem langen Arbeitstag nach Hause. Der Partner fragt: „Wie war dein Tag?“ Sie antwortet: „Gut, glaube ich.“ Nicht aus Höflichkeit – sondern weil sie es wirklich nicht weiß. Die Fähigkeit, den eigenen Tag emotional zu bewerten, ist nicht mehr verlässlich abrufbar. Das ist Erosion der Selbstwahrnehmung in ihrer alltäglichen Form. Was wie Gleichgültigkeit wirkt, ist oft das Ergebnis jahrelangen Überschwemmens eigener Signale. Der Self-Leadership Guide beschreibt, wie die Selbstwahrnehmung systematisch wieder aufgebaut werden kann.

Abgrenzung: Erosion der Selbstwahrnehmung vs. Alexithymie

Alexithymie ist eine klinische Einschränkung der Fähigkeit, Emotionen zu erkennen und zu verbalisieren – oft angeboren oder früh entwickelt. Erosion der Selbstwahrnehmung ist dagegen ein erworbener Zustand, der durch chronische Überlastung entsteht und grundsätzlich reversibel ist. Wer seinen inneren Radar durch Druck und Dauerstress verloren hat, kann ihn durch gezielte Arbeit zurückgewinnen. Eine Orientierung liefert der Burnout Guide für Führungskräfte. Forschungsgrundlagen bietet die APA-Fachzeitschrift Journal of Personality and Social Psychology.

Wenn du merkst, dass du nicht mehr weißt, was du wirklich brauchst – oder wie es dir wirklich geht: Kostenfreies Orientierungsgespräch buchen – 30 Minuten, keine Zusage, ein erster klarer Blick von innen.

Nach oben scrollen