Selbstbildschutz

Was ist Selbstbildschutz

Selbstbildschutz bezeichnet psychologische Mechanismen, mit denen Menschen ihr bestehendes Selbstbild vor bedrohlichen Informationen schützen. Feedback, das das eigene Selbstkonzept infrage stellt, wird umgedeutet, abgewehrt oder nicht wahrgenommen. Selbstbildschutz ist ein universelles menschliches Phänomen – in der Führung wird er besonders folgenreich, weil Führungskräfte strukturell weniger ehrliches Feedback erhalten und ihre Abwehr daher selten korrigiert wird.

Was bedeutet Selbstbildschutz für Führungskräfte?

Je länger eine Person in einer Führungsposition ist, desto weniger ehrliches Feedback bekommt sie – und desto stärker kann sich Selbstbildschutz unbemerkt festigen. Das Ergebnis: Die Führungskraft lebt in einem Realitätsbild, das zunehmend von dem abweicht, wie andere sie erleben. Entscheidungen werden dann nicht mehr auf Basis einer akkuraten Selbstwahrnehmung getroffen, sondern auf Basis einer geschützten, verzerrten Selbstwahrnehmung. Das ist kein moralisches Versagen – aber ein Führungsproblem.

Merkmale von Selbstbildschutz

  • Feedback-Abwehr – kritisches Feedback wird als falsch, unfair oder motiviert wahrgenommen statt als Information
  • Selektive Wahrnehmung – Informationen, die das Selbstbild bestätigen, werden bevorzugt aufgenommen
  • Externalisierung – Fehler werden auf äußere Umstände oder andere Personen attribuiert
  • Konsistenzstreben – neue Erfahrungen werden so interpretiert, dass sie zum bestehenden Selbstbild passen

Selbstbildschutz in der Praxis

Eine Führungskraft erhält im 360-Grad-Feedback die Rückmeldung, sie sei „schwer ansprechbar“. Ihre erste Reaktion: „Die verstehen meinen Führungsstil nicht“ und „Das ist eine politisch motivierte Bewertung“. Sie sucht Gründe, das Feedback zu entwerten – statt zu fragen, was daran stimmen könnte. Selbstbildschutz ist aktiv, die Information kommt nicht an. Wie Selbstreflexion als Gegengewicht funktioniert, beschreibt der Artikel Selbstreflexion und Coaching-Tools für Führungskräfte.

Abgrenzung: Selbstbildschutz vs. gesunde Selbstakzeptanz

Selbstbildschutz ist nicht dasselbe wie Selbstakzeptanz. Selbstakzeptanz bedeutet, sich mit Stärken und Schwächen anzunehmen – einschließlich der Bereitschaft, Schwächen zu sehen. Selbstbildschutz verhindert genau dieses Sehen. Der Unterschied: Wer sich akzeptiert, kann Feedback aufnehmen, ohne sich bedroht zu fühlen. Wer schützt, muss es abwehren. Mehr über das Zusammenspiel von Selbstbild und Führungsidentität im Self-Leadership Guide für Führungskräfte.

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