Selbstmissbilligung

Was ist Selbstmissbilligung

Selbstmissbilligung ist die innere Haltung, sich selbst für Fehler, Schwächen oder Gefühle abzuwerten, statt sie sachlich zu prüfen. Sie äußert sich als anhaltende Selbstkritik, Schuldgefühle und das Empfinden, nie zu genügen. Bei Führungskräften bleibt Selbstmissbilligung oft hinter hoher Leistung verborgen – und treibt Perfektionsanspruch, Überarbeitung und Rückzug an. Sie wirkt leise, aber dauerhaft.

Was bedeutet Selbstmissbilligung für Führungskräfte?

Von außen wirkt Selbstmissbilligung wie Ehrgeiz: hohe Standards, schnelle Fehlerkorrektur, wenig Zufriedenheit. Innen fühlt sie sich anders an – als dauernder Beweisdruck. Erfolge zählen kurz, Fehler lange. Das kostet Energie, die deiner Führungsarbeit fehlt, und überträgt sich oft auf das Team, an das du unbewusst dieselben Maßstäbe anlegst.

Auffällig ist, wie schwer Selbstmissbilligung zu erkennen ist. Sie tarnt sich als Verantwortungsbewusstsein und wird im Berufsleben oft sogar belohnt. Erst wenn die Erschöpfung wächst, die Freude schwindet oder Fehler kaum noch verziehen werden, wird sichtbar, was dahintersteckt. Viele Betroffene beschreiben ein Gefühl, ständig auf Bewährung zu sein, egal wie viel sie erreicht haben. Das ist kein Charakterfehler, sondern ein erlerntes Muster, das sich verändern lässt – vorausgesetzt, du erkennst die Stimme als Gewohnheit und nicht als objektive Wahrheit über dich.

Merkmale der Selbstmissbilligung

  • Abwertende Selbstgespräche – „Das hätte mir nicht passieren dürfen“
  • Erfolge werden relativiert – Anerkennung prallt ab
  • Fehler werden zur Identitätsfrage – aus „ich habe etwas falsch gemacht“ wird „ich bin falsch“
  • Kaum Selbstfürsorge – Ruhe fühlt sich unverdient an

Selbstmissbilligung in der Praxis

Eine Projektleiterin erhält nach einer Präsentation viel Lob und einen Verbesserungshinweis. Am Abend kreist sie nur um den Hinweis. Sie überarbeitet Folien, die niemand beanstandet hat, und schläft schlecht. Das Lob hat sie nicht erreicht. Die Frage ist nicht, ob der Hinweis berechtigt war, sondern warum er ein Urteil über sie als Person auslöst. Mehr zur Selbstreflexion: Selbstreflexion – Coaching-Tools für Führungskräfte.

Abgrenzung: Selbstmissbilligung vs. Selbstkritik

Selbstkritik prüft ein Verhalten und will es verbessern. Selbstmissbilligung wertet die Person ab und blockiert dadurch Lernen. Eng verwandt sind der innere Richter und der Selbstwert durch Leistung. Die Forschung zu Selbstmitgefühl zeigt, dass Selbstfreundlichkeit Leistungsmotivation eher stabilisiert als senkt (Self-Compassion Research – Kristin Neff, University of Texas). Einen Zugang bietet der Self-Leadership Guide.

Der Weg heraus beginnt mit Beobachtung, nicht mit Kampf gegen die innere Stimme. Wer sie wahrnimmt, benennt und ihr eine sachliche Einschätzung entgegensetzt, verliert Stück für Stück ihre Autorität. Das verlangt Übung und oft einen Gesprächspartner von außen.

Wenn du dir selbst der strengste Kritiker bist: Kostenfreies Orientierungsgespräch buchen – 30 Minuten, keine Zusage, direkte Klarheit.

Nach oben scrollen