Was ist übergriffige Empathie
Übergriffige Empathie bezeichnet eine Form des Einfühlungsvermögens, die die Grenze zwischen Verstehen und Vereinnahmen überschreitet. Statt dem anderen Raum zu lassen, wie er sich fühlt und was er braucht, projiziert die Person mit übergriffiger Empathie ihre eigene Interpretation auf die Gefühlslage des Gegenübers – und handelt danach, ohne zu fragen. In der Führung zeigt sich übergriffige Empathie als fürsorgliche Kontrolle: Man meint es gut und nimmt dabei die AutonomieWas ist Autonomie Autonomie bezeichnet die Fähigkeit u... Mehr weg.
Was bedeutet übergriffige Empathie für Führungskräfte?
Führungskräfte mit hohem Empathieanspruch sind besonders gefährdet für übergriffige Empathie. Sie lesen Situationen schnell, ziehen Schlüsse über Befindlichkeiten und handeln – ohne den Mitarbeitenden zu fragen, ob die Einschätzung stimmt. Das fühlt sich für die Betroffenen nicht wie Fürsorge an, sondern wie Kontrolle oder Entmündigung. Die Führungskraft meint es gut. Sie trifft aber Entscheidungen über das emotionale Erleben anderer, die ihr nicht zustehen.
Merkmale von übergriffiger Empathie
- Projektion statt Wahrnehmung – eigene Gefühle oder Erfahrungen werden auf das Gegenüber übertragen, ohne Überprüfung
- Handeln ohne Fragen – aus der Annahme, zu wissen was der andere braucht, werden Entscheidungen getroffen
- Autonomieentzug – dem Gegenüber wird die Kompetenz abgesprochen, selbst zu benennen, wie es ihm geht
- Fürsorgliche Kontrolle – Schutzverhalten tarnt sich als Empathie, dient aber der eigenen Angstreduktion
Übergriffige Empathie in der Praxis
Eine Führungskraft bemerkt, dass eine Mitarbeiterin in der letzten Zeit ruhiger ist. Sie schlussfolgert: „Sie ist überfordert“ – und nimmt ihr ein Projekt weg, ohne zu fragen. Die Mitarbeiterin ist jedoch nicht überfordert, sondern introvertiert nachdenkend. Sie erlebt die Entscheidung nicht als Entlastung, sondern als Misstrauen in ihre Kompetenz. Übergriffige Empathie hat das Gegenteil bewirkt. Wie empathische Führung ohne Grenzüberschreitung funktioniert, beschreibt der Artikel Führen ohne Maske – authentische Führung.
Abgrenzung: übergriffige Empathie vs. funktionale Empathie
Funktionale Empathie in der FührungEmpathie ist kein Soft-Skill – sie ist eine Führungs... bedeutet: wahrnehmen, was jemand möglicherweise erlebt – und dann fragen, ob die Wahrnehmung stimmt. Übergriffige Empathie überspringt das Fragen. Sie setzt Wissen voraus, wo nur Vermutung ist. Der entscheidende Unterschied ist eine einzige Frage: „Habe ich den anderen gefragt, ob meine Einschätzung stimmt – bevor ich gehandelt habe?“ Mehr über emotionale Regulation am Arbeitsplatz.
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