Wertequadrat

Was ist das Wertequadrat

Das Wertequadrat ist ein Modell von Friedemann Schulz von Thun, das auf einer Idee von Nicolai Hartmann aufbaut. Es zeigt, dass jede positive Eigenschaft – jeder Wert – eine polare Schwestertugend hat, die ihn in Balance hält. Ohne dieses Gegengewicht kippt der Wert in eine Entwertung. Direkte Kritik zum Beispiel braucht Einfühlsamkeit als Gegengewicht – fehlt sie, wird aus Direktheit Brutalität.

Was bedeutet das Wertequadrat für Führungskräfte?

Das Wertequadrat hilft Führungskräften, Stärken und ihre blinden Flecken zu erkennen. Wer sehr konsequent ist, läuft Gefahr, unflexibel zu werden. Wer sehr empathisch ist, riskiert, Klarheit zu verlieren. Das Modell gibt Werkzeuge, um die eigene Führungshaltung zu kalibrieren – nicht durch Schwächung der Stärke, sondern durch Entwicklung ihres Gegengewichts. Eine Verbindung zur Authentic Leadership Praxis liegt auf der Hand: Wer sich selbst kennt, führt kongruenter.

Die vier Felder des Wertequadrats

  • Positiver Wert (oben links) – Die Tugend, die man anstrebt oder lebt, z.B. „Beharrlichkeit“.
  • Schwestertugend (oben rechts) – Der polare Gegenwert, der balanciert: z.B. „Flexibilität“.
  • Entwertung des linken Werts (unten links) – Die Übertreibung ohne Gegengewicht: z.B. „Sturheit“.
  • Entwertung des rechten Werts (unten rechts) – Die andere Übertreibung: z.B. „Beliebigkeit“.

Das Wertequadrat in der Führungspraxis

Ein Abteilungsleiter gilt als „zu weich“ – er gibt nach, sobald jemand Druck macht. Im Wertequadrat zeigt sich: Sein Wert ist Empathie, sein Gegengewicht – Klarheit und Standfestigkeit – ist unterentwickelt. Die Lösung ist nicht, weniger empathisch zu sein, sondern Standfestigkeit als ergänzende Kompetenz zu entwickeln. Das Modell schafft Entwicklungsrichtung ohne Selbstkritik. Wie wertebasiertes Führungsverhalten in der Praxis aussieht, beschreibt der Artikel Wertebasierte Führung und Entscheidungen.

Abgrenzung: Wertequadrat vs. Kompetenzmodelle

Kompetenzmodelle listen auf, was eine Führungskraft können soll. Das Wertequadrat fragt: Was hält deine Stärken in Balance? Es ist kein Bewertungsinstrument, sondern ein Reflexionswerkzeug – und damit besonders wertvoll für Coaching und Selbstreflexion. Wer seine Werte und ihre Schattenseiten kennt, führt nicht nur effektiver, sondern authentischer. Den Einstieg in systematische Selbstreflexion bietet der Self-Leadership Guide für Führungskräfte. Weitere Grundlagen beim Schulz von Thun Institut: Werte- und Entwicklungsquadrat.

Wenn du wissen willst, welche deiner Stärken gerade aus der Balance geraten sind – und was das Gegengewicht wäre: Kostenfreies Orientierungsgespräch buchen – 30 Minuten, keine Zusage.

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