Präsentismus

Was ist Präsentismus

Präsentismus bezeichnet das Phänomen, physisch anwesend zu sein, während die geistige oder körperliche Leistungsfähigkeit durch Erschöpfung, Krankheit oder Stress erheblich eingeschränkt ist. Führungskräfte sind besonders häufig betroffen: Sie erscheinen zu Meetings, treffen Entscheidungen, führen Teams – und funktionieren dabei auf Autopilot. Präsentismus ist kein Zeichen von Stärke, sondern ein Frühwarnzeichen ernsthafter Erschöpfung.

Was bedeutet Präsentismus für Führungskräfte?

Führungskräfte mit hohem Pflichtgefühl sind besonders anfällig für Präsentismus. Der innere Druck, immer präsent und funktionsfähig zu sein, übertrumpft körperliche Signale. Das Problem: Im Präsentismus-Modus treffen Führungskräfte schlechtere Entscheidungen, reagieren gereizter, verlieren an Empathie und senden gleichzeitig ein implizites Signal ans Team – dass auch Mitarbeitende krank zur Arbeit erscheinen sollen. Präsentismus hat damit eine Vorbildwirkung, die Organisationskultur langfristig vergiftet.

Erkennungsmerkmale von Präsentismus

  • Körperliche Anwesenheit bei geistiger Abwesenheit – Du sitzt im Meeting, aber nimmst kaum wahr, was besprochen wird.
  • Funktionieren ohne Empfinden – Aufgaben werden erledigt, aber ohne Energie, Fokus oder innere Beteiligung.
  • Ignorieren von Erschöpfungssignalen – Kopfschmerzen, Schlafprobleme oder Reizbarkeit werden übergangen, weil „keine Zeit für Schwäche“ ist.
  • Produktivitätsilusion – Das Pensum wird gehalten, aber die Qualität der Ergebnisse sinkt deutlich.

Präsentismus in der Praxis

Ein Geschäftsführer kämpft seit Wochen mit Schlafstörungen und einem hartnäckigen Infekt. Er erscheint täglich im Büro, leitet Strategie-Meetings und nimmt keine Auszeit – weil das Quartal läuft. Sein Team merkt, dass er abgelenkt wirkt, Entscheidungen verzögert und ungewohnt kurz angebunden ist. Was er als Durchhalten erlebt, erleben andere als Führungsversagen. Welche Warnsignale dem Präsentismus oft vorausgehen, zeigt der Beitrag Erschöpfung bei Führungskräften – Warnsignale erkennen.

Abgrenzung: Präsentismus vs. Absentismus

Absentismus bezeichnet das tatsächliche Fernbleiben von der Arbeit aus gesundheitlichen Gründen. Präsentismus ist das Gegenteil – und oft das größere Problem: Studien zeigen, dass Präsentismus die Produktivität stärker mindert als Fehlzeiten, weil beeinträchtigte Präsenz schwerer zu messen und zu adressieren ist. Wer merkt, dass Erschöpfung zur Dauerlage wird, findet im Burnout-Guide für Führungskräfte klare Orientierung.

Paul Hemp beschreibt in seinem vielzitierten HBR-Artikel „Presenteeism: At Work – But Out of It“, wie enorm die wirtschaftlichen Kosten von Präsentismus für Organisationen sind – weit höher als die durch Abwesenheit entstehenden Kosten.

Wenn du erkennst, dass du seit Wochen oder Monaten nur noch funktionierst – ohne wirklich präsent zu sein – ist das ein ernstes Signal. Im Artikel über Burnout-Warnsignale für Manager findest du weitere Einordnung. Oder wir sprechen direkt darüber: Kostenfreies Orientierungsgespräch buchen – 30 Minuten, keine Zusage.

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