Präsentismus

Was ist Präsentismus

Präsentismus bezeichnet das Phänomen, körperlich am Arbeitsplatz anwesend zu sein, aber geistig und leistungsmäßig deutlich unter dem eigenen Potenzial zu arbeiten – oft wegen Krankheit, Erschöpfung oder innerer Distanz zur Arbeit. Anders als Absentismus (krankheitsbedingtes Fehlen) bleibt Präsentismus unsichtbar. Studien zeigen: Er verursacht für Unternehmen höhere Produktivitätsverluste als tatsächliche Fehlzeiten.

Was bedeutet Präsentismus für Führungskräfte?

Führungskräfte sind besonders anfällig: Sie kommen krank ins Büro, weil sie sich unersetzbar fühlen, Stärke demonstrieren wollen oder schlicht nicht loslassen können. Doch ihre körperliche Anwesenheit bei gleichzeitiger innerer Abwesenheit sendet ein deutliches Signal ans Team – und perpetuiert Präsentismus als Kulturmuster. Was dann als Einsatz gilt, ist oft der Beginn eines Erschöpfungskreislaufs. Die Burnout-Warnsignale bei Managern folgen häufig auf Monate gelebten Präsentismus.

Merkmale von Präsentismus

  • Anwesenheit trotz Einschränkung – körperlich präsent, kognitiv oder emotional beeinträchtigt.
  • Unsichtbarkeit – Für Vorgesetzte kaum messbar, für Kolleginnen und Kollegen aber spürbar.
  • Produktivitätsverlust – Konzentration, Kreativität und Entscheidungsqualität sinken messbar.
  • Kulturelle Verstärkung – Wenn Führung Präsentismus vorlebt, wird er zur impliziten Norm im Team.

Präsentismus in der Praxis für Führungskräfte

Eine Führungskraft erscheint mit Fieber im Meeting, hält Präsenz für Pflicht und delegiert kaum. Das Team beobachtet das. Innerhalb weniger Monate gilt „krank zur Arbeit kommen“ als unausgesprochener Standard. Meetings verlängern sich, Entscheidungen verzögern sich, Fehlerquoten steigen – ohne dass jemand die Ursache direkt benennt. Erschöpfungswarnsignale bei Führungskräften werden in diesem Klima systematisch ignoriert – bis zur Krise.

Abgrenzung: Präsentismus vs. Absentismus

Absentismus meint krankheitsbedingte oder unentschuldigte Fehlzeiten – messbar, sichtbar, oft im Fokus des Personalmanagements. Präsentismus ist das Gegenteil: Die Person ist da, erbringt aber nur einen Bruchteil ihrer normalen Leistung. Die Harvard Business Review schätzt den Produktivitätsverlust durch Präsentismus auf ein Vielfaches der direkten Krankheitskosten. Besonders perfide: Wer trotz Erschöpfung erscheint, verlängert seine Erholungszeit und riskiert langfristige Gesundheitsschäden.

Wenn du merkst, dass du schon länger „funktionierst“ statt wirklich präsent zu sein – oder wenn dein Team dieses Muster spiegelt –, lohnt sich ein ehrlicher Blick auf die Führungskultur. Was Überforderung als Geschäftsführer wirklich bedeutet und wie du früh gegensteuern kannst, erfährst du im Burnout-Guide für Führungskräfte.

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